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Mt. Roraima ~

6 Tage Trekking, das hatte ich so noch nicht gemacht. Aber Wandern hatte mir immer Spass gemacht. Ich hatte nichts gegen Laufen. Ich kann ewig laufen, es macht mir nichts aus. Ein Städtetrip ist nur dann gut gewesen, wenn man abends mit qualmenden Füßen müde ins Bett sinkt.
Hier kamen jetzt diverse Neuigkeiten hinzu. Keine Dusche? Egal, es gab ja Flüsse. Genug Wasserfälle, die man unterwinden (überwinden ist definitiv das falsche Wort!) musste.
Toillette? Gebüsch, aber eben auch ein Klappklo, in das eine Tüte gespannt wurde, sein Geschäft mit Kalk abzuckerte und das Tütchen zusammengebunden entweder auf den großen Haufen legte oder aber gut sichtbar an eine Leine hing. Fürden nächsten Benutzer spannte man die neue Tüte liebevoll ein. Kein Scherz, es wurde alles wieder mit runtergetragen. Nichts sollte den Nationalpark verunreinigen. Es gibt eine regelrechte Müllabfuhr, die vom Dorf Paratepui bis zum Roraima hoch funktioniert, alles wird getragen, Autos sind nicht erlaubt.
Wir trugen unser Zeug selbst. Die Träger trugen die Zelte, das Klappklo und die Lebensmittel. Wasser konnte man aus den frischen Bächen dauernd selbst auffüllen.
Die ersten Meter vom Dorf weg waren noch ganz angenehm, bis der erste Regenschauer kam und der erste steilere Anstieg kam. Uff! Ich dachte, das kann ja heiter werden. Von Wandergenuß keine Spur. Egal, wenn ich eins kann, dann Zähne zusammenbeißen und schnaufend weitermachen.
Der Regenschauer war schnell wieder vorbei und wir wurden sogleich belohnt, wir sahen einen Ameisenbären. Unfassbar, wie gut unser Guide die Tiere entdeckte und vor allem: wie schnell er dort war, um den Ameisenbären zu uns zu scheuchen!
Er war bestimmt 3 meter lang.


Nach 4 Stunden kamen wir im ersten Camp an, es lag vor den beiden zu überquerenden Flüssen, aber die sollten uns erst am 2. Tag beschäftigen.

Wenn Ihr irgendetwas lest über die Baumwollsocken, die man zur Überquerung anziehen soll: Glaubt mir, es ist einfach das Allerbeste. Glaubt keinem Verkäufer von den Wassersandalen, sie funktionieren alle nicht, nehmt Baumwollsocken mit.
Und genießt das Bad im kalten Fluss. Achtet einfach nicht auf die Puripuri-Stechfliegen. Babyöl soll angeblich helfen, ich hatte welches gekauft vor der Reise, es aber wieder ausgepackt. Was soll ich damit, dachte ich. Tja. So hatten wir Spaß bis nach Deutschland mit den Stichen.
Der 2.Tag begann also mit 2 Flußüberquerungen und ca. 4 Stunden bergauf Laufen.Ich fand den 2. Tag ganz angenehm, ich hatte meinen Tritt gefunden. Ich musste keinen Sieg heimbringen, es war mir egal, immer die Letzte zu sein. Ich musste einfach auch stehenbleiben und die grandiose Landschaft anschauen und auf mich wirken lassen.

Unterwegs....eine giftige Klapperschlange. Ja, auch die gibt es hier.

Das 2. bzw. Basiscamp liegt unterhalb der Aufstiegsstelle.
Es war dort wunderschön, ich striff durch die Büsche und entdeckte sehr viele Orchideen. Wir waren eine recht schnelle Gruppe, sonach und nach trudelten noch andere Gruppen ein. Eswar eine euphorische Stimmung hier oben auf 1800.


Am 3. Tag, der Tag des Aufstiegs auf das Plateau, regnete es ungefähr 4 Stunden lang. Wir warteten und vertrieben uns die Zeit mit Besuchen bei den anderen Gruppen. Es waren viele Nationalitäten hier unterwegs, besonders aufgeschlossen waren aber die Venezulaner. Und dann plötzlich rief unser Guide zum Aufbruch. Der Regen ließ nach und die weiteren zu überquerenden Flüsse schwollen wieder ab. Es begann eine Kletterei durch die vom Regenwald überwucherte Rampe. Alles war glitschig und überall piepste es. Das sind kleine Frösche, die man nie zu Gesicht bekommt, aber in den riesigen Bromelien hausen.
Man bewegt sich unterhalb der Steilwand stetig nach oben. Das Foto zeigt die Wand, aber das Ende ist in Wolken. Noch Fragen?

Das ist der Weg!

Man achte auf die nassen Klamotten, die am Körper kleben. Man achtet irgendwann nicht mehr drauf, irgendwann ist halt alles nass und es ist dir auch egal. (Unbedingt machen: die trockenen Sachen im Rucksack fest in Tüten einwickeln!! Und sich zwingen, am nächsten Morgen die klammen Sachen wieder anzuziehen.Oder besser noch, damit in den Schlafsack kriechen, dann trocknen sie)

Blick von fast oben. Das Schwierigste kommt ja noch. Die Wasserfälle. Aber das weiß man da noch nicht,ist auch gut so. Man ist einfach berauscht von diesem Anblick. Ich bin immer noch ganz hin und weg, wenn ich das sehe.

Und das liegt noch vor einem, in die andere Richtung geschaut.

Hier habe ich die Wasserfälle bereits unterquert. Fotografieren war absolut nicht möglich. Der Guide nahm mich an die Hand und hat mich einfach hochgezogen. Man muss auf ständig rollendem Geröll unterhalb des auf einen hinabtosenden Wasserfalls heraufklettern, man sieht nicht wirklich, wohin man treten soll, es kommen einem Leute entgegen, die das Gestein ins Rollen bringen, hätte ich den Guide nicht gehabt, ich wäre wirklich aufgeschmissen gewesen. Ich konnte nicht glauben, was ich da tat, in diesem Moment.Ich glaubte nicht, dass es ein Wasserfall da über mir war (" This is no rain? This is the Waterfall?") und ich dachte in einem fort: Hiermußt Du auch wieder herunter. Und zwar in einem Tag.
Diesen Gedanken schob ich weit von mir weg, als ich diese Kollegen hier traf. Die berühmten Urzeitfrösche!

Nun ging es nur noch ein kleines Stück hinauf, sehr steil, das letzte Stück der Rampe. Oben angekommen, die anderen warteten -natürlich-auf mich, das Schlußlicht, drückte mir der Guide die Hand, als er neben mir stand, nur so seitlich, keine große Geste, aber es war für mich ein unglaublicher Satz:
"Now you enter the lost world of Roraima, welcome to the lost world, Iiivaa!"

Gipfel? Interessierte mich nicht. Ich war in der Regelzeit, sogar noch eine halbe Stunde schneller, in sagenhaften 3,5 Stunden hier auf dem Plateau angekommen.
Und zum Dank öffnete der Himmelso richtig seine Schleusen. Ich kam wirklich bis auf die Unterhose nass im Camp an, laut fluchend. Alle gratulierten sich gegenseitig und rissen sich sogleich die Klamotten vom Körper. Mir war alles sowas von egal, ich fror und wollte einfach nur etwas Trockenes am Körper haben. Die Träger waren, natürlich, schon längst oben hatten die Kerosinkocher schon angeschmissen. Und lachten und funkten mit den anderen Trägern in den anderen Camps. Die Zelte waren auch schon aufgebaut (erwähnte ich schon, dass unser Zelt Löcher hatte?)

Wir gingen direkt nach dem Essen ins Zelt in den Schlafsack. Ich habe mit Mütze geschlafen.
Und am nächsten Tag standen die Männer um 04h30 auf und gingen zum Gipfel, um den Sonnenaufgang zu sehen. Wie gut, dass ich und die Italienerin weitergeschlafen haben, denn es gab keinen, hahaha, zumindest keinen unbewölkten. Nach dem Frühstück war uns der Wettergott wirklich wohlgesonnen, denn es regnete den ganzen Tag bis zum Abend nicht mehr. Die nächsten Fotos zeigen die unglaubliche Weltdes RoraimaPlateaus, auf dem man ohne Guide verloren wäre. Man kommt sich vor wie bei Jurassic Park oder wie auf dem Planeten der Affen.
Wege, die nur aus weißen Kristallen bestehen. Kristallklötze, die man sonst in dieser Größe nur in naturhistorischen Museen sehen kann. Wasserlöcher, die unglaubliche Farben widerspiegeln. Pflanzen, welche nur dort oben wachsen. Nebel, der so schnellkommt, wie er vergeht. Gesteine, die aussehen, als würden sie Geschichten erzählen. Tümpel, die aussehen, als würde gleich ein Dino darin baden. Wasserfälle, natürlich, dauernd Wasserfälle. Kolibris, die von Blüte zu Blüte fliegen und kaum zu erwischen sind. Und immer allgegenwärtig: Die Kante nach unten.















Nach einem ganzen Tag Rumstreunern auf dem Plateau fielen wir abends wieder völlig erledigt in unsere Zelte. Amnächsten Tag war Abstieg angesagt.
2 Etappen an einem Tag....gleich am Anfang verabschiedeten sich die Sohlen meiner heißgeliebten Wanderschuhe. Es half nichts, ich musste sie ausziehen und mit meinen Wassersandalen weiterlaufen. Das war kein Spaß, weil einem komplett der Halt im Fußgelenk fehlt. Trotzdem kam ich unten an. Im Basecamp gab es einen Salat zum Mittagessen und Thunfisch. Danach ging es weiter in der Brüllhitze und mit Puripuris durch die Gran Sabana. Ich redete nicht mehr. Ich marschierte nur noch, der Guide immer 5 Schritte hinter mir. Am Fluß trafen wir uns wieder. Ab hier begann die Magen-Darm-Geschichte. Bei mir noch nicht, dafür bekam ich es in der Nacht. Nach unserem Tourende-Fest. Es gab Rotwein und Nudeln. Ich konnte nicht glauben, dass ich in 7 Stunden das gelaufen war, was ich hin in 2 Tagen zurücklegte. Amletzten Morgen wachte ich völlig gerädert auf und wußte: Heute trägst Du Dein Gepäck nicht. FRühes Frühstück und wir brachen als erste gleich um 7h auf. Die ganze Zeit begegnete uns kein Mensch, bis ca 1 Stunde vor dem Dorf ein altes Männlein unseren Weg kreuzte. Wir genossen es, nach der Gruppengemeinschaft völlig alleine durch diese Landschaft zu wandern. Erschöpft und rumorendem Magen, aber wir waren oben. Unglaubliches Gefühl, wir waren wirklich da oben. Immer, wenn ich mich umdrehte, dachte ich das. Von diesem Boden habe ich übrigens geträumt auf der Wanderung.

Und je näher wir der Zivilisation kamen, dachte ich an ein amerikanisches Getränk. Was es auch zu kaufen gab, als wir im Dorf ankamen.

Noch nie hat eine Cola so gut geschmeckt. Tipp: Kauft nicht die Fanta Traube. Sie schmeckt furchtbar! Wir probierten in unserem Ankunftsrausch alles durch.
Auf dem Rückweg hielten wir noch im Dorf San Fransesc, wo es ein Mittagessen (Hühnchen, Reis) gab. Es schmeckte schon wieder.
Die Träger kauften sich sofort Polar Bier und betranken sich. Unterwegs auf der Landstrasse warfen sie im Vorbeifahren die leeren Büchsen exakt in den großen Müllcontainer, der am Strassenrand stand. Unser Jeep fuhr ca 100km/h!!
Außerdem. Niemand sollte etwa denken, er könne Steine, Kristalle oder sonstiges vom Roraima mitnehmen. Man wird gefilzt. Und es wird entdeckt. Man zahlt Strafe und die Träger, die die entwendeten Naturschätze wieder nach oben bringen. Plus, der Guide verliert seinen Job.
Dann, als letztes Highlight noch ein Besuch bei einem Wasserfall, dessen Flussbett komplett aus rotem Jaspis besteht.
Ich weiß, dass ich jemanden damit komplett wahnsinnig gemacht habe.....um dann schlafend im Jeep liegen zu bleiben, weil ich keinen einzigen Meter mehr gehen wollte.
31.12.13 22:42
 


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